Was Frauen wollen


ist nicht nur seit Anbeginn der Menschheit ein ewiges gesellschaftliches Mysterium, welches vor allem die männliche Welt oft genug an den Rand der Verzweiflung treibt, sondern eine berechtigte Frage, die selbstverständlich auch Gegenstand zahlloser wissenschaftlicher Forschungen ist und den Herrn Züchter bislang im völlig Dunkeln tappen ließ. Denn dieser stand die letzten Monate oft verzweifelt kopfkratzend vor seinem weiblichen Schwarmbesatz, um diesen rätselnd zu begutachten, da sich die Damen bekanntermaßen allesamt als sehr brutfaul erwiesen haben.

Wie dem auch sei beschäftigten sich während einer ganz bestimmten Studie, welche taufrisch dieses Jahr im Januar veröffentlich wurde, vornehmlich chinesische und niederländische Forscher mit genau dieser Frage und der daraus resultierenden Annahme, dass Männchen, die Probleme lösen, auf weibliche Wellensittiche attraktiver wirken. Das vollständige Paper in englischer Sprache kann sich der geneigte Hobby- oder Berufsgelehrte gerne genauer zu Gemüte führen [1].

Quintessenz des Auswahlverfahrens der Damen war hierbei die Intelligenz ihres männlichen Gegenübers. So wählten die Weibchen in aller Regel einen Hahn als Partner, der sich als besonders gebildet hervortat und vor allem sehr lösungsorientiert komplizierte Probleme gekonnt mit seinem cleveren Hirnschmalz denn mit purer Muskelkraft überwand. Nach genügend und vor allem erfolgreichem Training hatten bei den Damen sogar diejenigen Herren plötzlich eine Chance, die vormals kläglich bei den Weibchen scheiterten, weil sie aufgrund ihres ehemals mangelnden Intellekts gnadenlos durch das wählerische Raster der holden Weiblichkeit gefallen sind. Die erworbene Problemlösefähigkeit bei verschmähten Männchen führte letztendlich zu einer Steigerung der Attraktivität bei eben jenen Männchen gegenüber den Weibchen, welche die trickreiche Aufgabe unter Beobachtung der weiblichen Wellensittiche meisterten und somit die Damenwelt nachhaltig beeindrucken und dadurch den ein oder anderen flatterhaften Bund für's Leben schließen konnten.

Schon der britische Evolutionstheoretiker Charles Darwin vertrat die Ansicht, dass ein Kriterium der Partnerwahl direkt mit den kognitiven Fähigkeiten eines potentiellen Paarungspartners korrelieren könnte. Dabei beschränkt sich die durchaus gewagte Hypothese einer solchen sexuellen Selektion nicht nur auf das Tierreich, sondern scheinbar auch auf die menschliche Zivilisation, was in den nachfolgenden evolutionären Schritten wiederum zu einer Weiterentwicklung der Gesellschaft geführt hat. Denn Cleverness im Alltag hilft nicht nur Futter zu beschaffen, sondern sich auch veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Eine solche Anpassung, Aufmerksamkeit und Aufgabenbewältigung ist in den dürren Weiten Australiens für die kleinen geflügelten Ureinwohner auch dringend überlebensnotwendig.

Für einen hochbegabten Mann ließen der Studie nach scheinbar sogar bereits fest vergebene Wellensittichweibchen ihren alten Hahn, der nicht genügend Masse im Oberstübchen aufweisen konnte kurzerhand sitzen, um sich dann an den auserwählten Intelligenzbolzen ranzuschmeißen. Doch den Mädels der Welli-Schöpfung darf man hier keinen Vorwurf machen und ihnen irgendwelche Moralpredigten halten. Ganz ihrem natürlichen, schon seit Urzeiten vorhandenen Instinkt denken die Weibchen verständlicherweise während ihrer Partnersuche nur sehr pragmatisch. Ein schlauer Kopf kann viele Schnäbelchen stopfen. Und so taugt ein männlicher Partner mit Grips in der grausamen Welt der Wellensittiche, in welcher jeder gröbere Fehler beinahe unweigerlich den Tod eines Partners oder gar der ganzen Familie bedeuten könnte, sehr viel mehr als angedachter Ernährer der Familie als ein Hähnchen, das es sich eher zur Lebensaufgabe gemacht hat, ohne geistige Fleißarbeit einfach vom Tellerchen anderer zu stibitzen und dabei noch den großen Zampano zu spielen.

Doch wie kann man diese gewagte These, die das wellische Frauenbild nicht gerade in einem Glanzlicht erstrahlen lässt, denn überhaupt beweisen? Denn die krude Behauptung, dass Wellensittichweibchen intelligente Männchen bevorzugen, kann ja schließlich jeder Kleingeist grundlos in die Welt setzen, um damit die heile Welt der einst gerne als lebenslang propagierten Welli-Ehe in Frage zu stellen. Neben dem spielerischen Aspekt der Beschäftigungstherapie für meine Schnabeltiere hat es mich durchaus interessiert, wie die Wissenschaftler ihre Behauptungen belegen konnte und ob ich, der zu Jahresbeginn bekanntermaßen noch unter einem akuten Kükennotstand litt, dadurch nicht wieder Schwung in das Liebesleben meiner lethargischen Federbande bringen könnte. Wie haben die Akademiker denn nun ihre Behauptung untermauern und gar beweisen können? Das war so simpel, wie effektiv, wodurch ich die Studie zumindest in Teilen in der Voliere nachstellen konnte. Mehr brauchte ich nach diesem ersten Testversuch auch gar nicht zu wissen, da mir nun völlig klar ist, wie meine Wellensittichweibchen und auch -männchen wirklich ticken. Doch nun zur eigentlichen Studie.

In der Studie kamen zweierlei Problemboxen zum Einsatz. Einmal die einfache Variante, welche nur eine Petrischale benötigte, zum anderen die härtere Nuss in Form einer kleinen transparenten Kiste, an deren Inhalt man nur durch das Anheben eines Deckelchens, dem Öffnen eines Türchens und dem Herausziehen eines kleinen Behälters gelangte. Diesen nachfolgenden dreistufigen Test habe ich meinen Wellensittichen bislang erspart, denn meine Herren haben sich schon gar nicht an den ersten, vermeintlich leichten, einstufigen Versuchsaufbau gewagt und sich damit sowieso schon für weitere Studien disqualifiziert. Dass meine Damen auch den komplizierteren Mechanismus knacken würden, daran hege ich jedoch keine Zweifel. Nun habe ich an dieser Stelle schon ein wenig den Ausgang meines persönlichen Experiments vorweggenommen.

Denn wie konnte es auch anders sein. All das, was in der wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden konnte, traf bei meinen Wellensittichen natürlich mal wieder nicht zu, wurde der Ausgang im heimischen Bereich sogar vollkommen auf den Kopf gestellt. Denn meine Damen lösten ihre Probleme selbstsicher auf eigene Faust und ließen die verdutzten Jungs, die sich an der Aufgabe nur ihre hübschen Schnäbelchen ausgebissen haben, links liegen. Sie dachten sich eher, wenn ein Hahn etwas von ihnen möchte, dann soll er sich anderweitig ins Zeug legen, mit Körnchen können sie sich schon alleine versorgen. Wobei man meine Versuchsnachstellung als auch die weiteren Kommentare zu meinen Probanden nicht bierernst nehmen sollte. Eine streng wissenschaftliche Durchführung und sachliche Protokollierung schauen gewiss anders aus. Dafür hatten vor allem meine Studienteilnehmerinnen ihren Spaß, wie folgende Abhandlung deutlich macht.

Studie-Versuchsaufbau Studie-Proband Ronny
Sind die Sicherungen des Herrn Züchters jetzt vollends durchgebrannt? Aber nein! Das ist doch nur die Nachbildung des Versuchsaufbaus, mit welchem die Wissenschaftler ihre Laborsittiche auf die Fähigkeiten in der angewandten Problemlösung getestet haben Et voilà! Eine ganz ordinäre Petrischale mit Deckelchen. Keine Hexerei, keine schwarze Magie. Einfach nur das Gefäß mit passendem Deckel und einem Inhalt, für den die krummschnäbligen Probanden alles tun würden. Diese primitive Versuchsanordnung hat der Herr Züchter gerade noch so hinbekommen, wurde er doch durch seine klugen Kleinpapageien während des Aufbaus penibel unter die Lupe genommen und ebenso bewertet, wenn für ihn auch in einer unverständlichen Sprache. Streng wissenschaftlich gesehen hätte der Herr Züchter zwei Tiere zusammen von den anderen separieren müssen. Da er aber seinen Wellensittichweibchen die freie Wahl unter den Männern erhalten wollte, hat er die Versuchsanordnung dem kompletten Schwarm zur Verfügung gestellt. Damit sich auch ja alle Herren der Schöpfung daran beweisen können und sich nicht noch womöglich um den Test drücken würden. Das große Rätselraten gepaart mit einer geistig äußerst unsicheren Zurückhaltung bei der Problemlösung ... entgegen der wissenschaftlichen Studie vor allem bei den männlichen Teilnehmern, die ansonsten ja gerne mal vor den Damen einen auf dicken Max machen und sich mutig auch an unbekannte Dinge heranwagen, um beim weiblichen Geschlecht als Versorger der Familie positiv punkten zu können. Nun ja meine Herren, das üben wir noch. Wie es besser geht zeigt die folgende Probandin eindrucksvoll.



Studie-Probandin Anna 1-Problemstellung Studie-Probandin Anna 2-Problemsichtung
Ohne Fleiß kein Preis. Studienteilnehmerin Anna hat schon erkannt, dass sich unter dem Deckelchen leckere Kolbenhirse befindet. Doch wie kann sie nun an den wohlschmeckenden Snack gelangen? Phase Eins der Studie - Die Wahrnehmung des eigentlichen Problems:
Auf dem Behälter zu stehen bringt keinen Erfolg. Das hat das weibliche Versuchsobjekt schnell begriffen. Aber irgendwie muss die Abdeckung vom Behältnis runter!



Studie-Probandin Anna 3-Problemlösung Studie-Probandin Anna 4-Belohnung
Phase Zwei der Studie - Die Lösung der scheinbar kniffligen Aufgabe:
Probandin Anna stellte der Versuchsaufbau vor nicht allzu große Probleme. Mit ihrem alltäglichen Werkzeug, ihrem Schnabel, schaffte sie es geschickt den Deckel auf die Seite zu heben. Für einige ihrer Studienkollegen stellte dieser Versuchsaufbau eine unüberwindbare Hürde dar.
Phase Drei der Studie - Das Belohnungsprinzip für den Studienerfolg:
Wer sein helles Köpfchen erfolgsorientiert einsetzt, der wird in der Regel auch fürstlich belohnt. Lange hat es jedoch nicht gedauert, bis Anna Gesellschaft durch ein paar überwiegend männliche Schnorrer hatte. Geteilt hat sie aber immer von Herzen gern ... wahrscheinlich aus purem Mitleid.



Beobachtungsstudie-Probandin Anna
Studienfazit:
An Genialität war Anna jedenfalls kaum zu übertreffen, hat sich doch, wie das Video auch veranschaulicht, als besonders brillanter Kopf erwiesen ... und sie steht natürlich, wie die allermeisten Wellensittiche unheimlich auf Kolbenhirse, was ihr wohl zusätzlichen Antrieb für ihren tollen Studienerfolg gegeben hat. Im obigen Video zeigt sie ganz ohne Scheu, mit welchem Trick man kinderleicht und blitzschnell an die Leckerei in der Pertischale gelangen kann. Ihre Technik hat sie dabei so perfektioniert, dass einem schon beim bloßen Zuschauen nur noch schwindlig werden kann. Kein Wunder, dass sich die überaus faulen Jungs an die Fersen der gewieften Dame geheftet haben. Aber auch die anderen Weibchen haben sich ebenso als geistig vollkommen ebenbürtig erwiesen. Denn auch Jaqueline, Lia und Penny haben es zum Zeitpunkt der Studie immer wieder geschafft, die Aufgabenstellung ohne Fremdeinwirkung zu lösen. Nur haben sich diese bei ihrer Problemlösung leider nicht gerne filmen lassen.



Studie-Probanden Ronny und Leopold Studie-Proband Rufus
Wer ist hier nun schlau? Die männlichen Probanden, die darauf warten, bis ihnen eine Dame die Dose öffnet und ihnen den Inhalt kredenzt oder die weiblichen Probandinnen, die es durch ihre Eigeninitiative geschafft haben, den Deckel anzuheben, um sich selbst belohnen zu können? Diese Wahl bleibt jedem selbst überlassen. Eines war jedoch sicher. Kaum war der Deckel ab, haben auch die anderen Probanden geschnallt, dass in der Petrischale ein beliebter Gaumenschmaus zu finden ist. Die Herren waren hierbei dann kaum noch zu halten. Sobald es für sie eine Möglichkeit gab, an den schmackhaften Inhalt des Schälchens zu kommen, ohne dass sie sich selbst großartig anstrengen mussten, waren sie zur Stelle und hatten die eigentlich ungerechtfertigte Belohnung unverzüglich vertilgt. Egal wie oft der Versuchsablauf auch wiederholt wurde. Das Ergebnis blieb immer dasselbe. Die Jungs haben es leider nicht ein einziges Mal auf die Reihe bekommen, das Deckelchen abzuheben, um selbständig an die Hirse in der Schale zu gelangen. Dabei hat die schlaue Anna das doch unzählige Male so toll vorgemacht, wie man ohne große geistige und körperliche Betätigung die seltene Belohnung abstauben kann.



Studie-Proband Steve Studie-begehrte Probandin Anna
Es hinterließ schon fast den Eindruck, als wären die Herren des Schwarmes besonders denkfaul ... Moment ... vielleicht sind sie auch einfach nur hyperintelligent, führen den Herrn Züchter gekonnt an der Nase herum und lassen die Damen kurzerhand diese triviale Tätigkeit verrichten, um sich bequem genüsslich an dem Ergebnis laben zu können. Wie auch immer, sonderlich mit Ruhm bekleckert haben sich die männlichen Individuen im Falle dieser Beobachtungsstudie nicht gerade. Anna fühlte sich durch die hervorragende Bewertung nach Abschluss der Studie kaum geschmeichelt, verstand sie die Aufregung um ihre Person auch überhaupt nicht. Doch den Männern, welche sie von nun ab recht anhänglich umgarnten, war sie keineswegs abgeneigt. Sie war sonst stets sehr unscheinbar in ihrem Wesen und wurde von meinen männlichen Schwarmmitgliedern kaum wahrgenommen. Nun erlangte sie quasi über Nacht durch ihre Cleverness schwarmweite Berühmtheit. Denn ihre gute Studienleistung blieb selbst den eher bequemen männlichen Probanden dann doch nicht verborgen ... wer hätte es gedacht. Und so war Anna auf einmal das Weibchen im Schwarm, das von beinahe allen Männchen bezirzt und belabert wurde, als gäbe es keine anderen Mädels mehr. Bei ihr stand nicht nur der protzige Steve Schlange, sondern auch der gut gelaunte Rufus, der zurückhaltende Leopold und sogar der gebrechliche Altgentleman Pablo wurde in Frauensachen wieder aktiv. Neue und vor allem brauchbare Pärchen haben sich so nicht gefunden, wie sich der Herr Züchter das eigentlich durch die Studie vorgestellt hatte. Im Gegenteil. Durch den Intelligenztest hat er eigentlich nur noch mehr Chaos gestiftet und überdies auch noch den Zorn einiger eifersüchtiger Welli-Frauen auf sich gezogen.



Studie-Proband Ronny versucht es bei Lia Studie-Die Studienteilnehmer Jaqueline und Leopold
Denn die Jungs hielten sich von nun ab allgemein an die Damen, welche besonders erfolgreich bei ihrer Studienteilnahme waren. So versuchte es Proband Ronny bei der scharfsinnigen Lia, die sich jedoch nicht beirren ließ und weitestgehend ihrem Bruno treu blieb. Jaqueline habe ich während des Studienzeitraums eigentlich nur dabei entdeckt, wie ihr nach erfolgreicher Problemlösung vor allem Leopold das flauschige Köpfchen massiert hat. Die korpulente Standarddame fand diese gezielte Aufmerksamkeit, die ihrer Person zuteilwurde, ganz toll ... und ihr Steve war gleich vergessen. Leopold krault ihr wohl eindeutig besser das Gefieder als ihr ehemaliger Göttergatte.



Studie-Proband Rufus nach seiner Bewertung Studie-Rufus probiert es bei Ruth
Auch kein leuchtender Stern unter den männlichen Teilnehmern. Welli-Hahn Rufus war, nach mehreren erfolglosen Versuchen an den Inhalt der Petrischale zu gelangen, so deprimiert bezüglich seines schlechten Abschneidens, dass er sich seinen nicht gerade hochleistungsfähigen Hohlkörper ausgiebig von Bonnie kraulen und so über seine Misserfolge hinwegtrösten ließ ... ... Doch so begriffsstutzig war Rufus dann doch nicht, buhlte er nur kurze darauf bereits um die Gunst der klugen Ruth ... denn "nicht ganz so helle" darf man ja bekanntermaßen auch sein, nur zu helfen muss man sich wissen. Seine gutmütige Ehefrau Daphne war nach der Studie für ihn lange Zeit kein Thema mehr. Diese hat ihm seine kläglich gescheiterten Flirtversuche aber sofort verziehen, ansonsten gäbe es jetzt auch keine befrucheten Eier im Nest ( siehe hier ). Als doof, blöd oder geistig minderbemittelt würde der Herr Züchter seine Männchen jetzt auch nicht bezeichnen. Sie legen eben auf andere Dinge im Leben ihre Prioritäten und haben vielleicht alternative, dem Herrn Züchter unbekannte Qualitäten. Prinzipiell sind alle Wellensittiche hochintelligente Überlebenskünstler und viele gefiederte Australier leisten in ganz anderen Aufgabenfeldern schier Unglaubliches ... dennoch in der Wildnis Australiens hätten diese Trantüten von Herren wenig zu melden und würden wohl kaum lange überleben, wenn sie nicht schnell umdenken würden. Vielleicht zeigt das Ergebnis dieser heimischen Welli-Studie auch schon eine Auswirkung der Domestizierung von Hauswellis, die sich aufgrund der sicheren Futterversorgung durch den Herrn Züchter einfach geistig gehen lassen ... oder die Herren versuchen sich gerade an der männlichen Emanzipation. Wer weiß das schon?



Zum Abschluss meiner ganz persönlichen Beobachtungsstudie der letzten Monate lässt sich nur sagen, dass ich ziemlich überrascht wurde. Zum einen haben mich meine sich so zurückhaltenden Männchen enttäuscht, die sich sonst so gerne in den Vordergrund drängen und sich bei der Studie nicht einmal die geringste Mühe gegeben haben, die von mir nachgestellte Aufgabe auch nur im Ansatz zu lösen. Zum anderen haben mich meine Weibchen positiv überrascht. Diese haben sich der typischen Rollenverteilung nicht einfach so untergeordnet, sondern mit dem Versuchsaufbau auch eindeutig bewiesen, dass sie im Falle eines Falles ihre Küken selbst großziehen können, ganz ohne ein träges Hähnchen. Natürlich musste ich solche Situationen, in denen nur noch ein Elternteil seine Küken durchbringen musste, bei der Brut bereits durchleben und weiß deshalb grob, wem ich das zutrauen kann und wem nicht. Dass sich die weiblichen Wellensittiche aber so aktiv an der Studie beteiligt haben, hat mich wirklich erstaunt und gefreut zugleich. Andererseits haben sich aber auch keine weiteren Brutpaare gefunden, waren diese neuen Zusammenkünfte doch vornehmlich platonischer Natur und eher dem eigenen leiblichen Wohlergehen der Herren geschuldet als einer Attraktivitätssteigerung der Männchen gegenüber meinen Weibchen.

[1] J. Chen, Y. Zou, Y.-H. Sun, C. ten Cate, Science 363, 166-167 (2019).